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Die Wunderheilungen von Lourdes


Von den etwa 7000 Fällen von Heilungen, die im Medizinischen Büro seit seiner Gründung, das heißt seit 120 Jahren gemeldet wurden, hat die Kirche heute 67 Heilungen in Lourdes als Wunder anerkannt.
Sicher fragen sie sich: „Warum werden diese 67 Heilungen als „Wunderheilungen“ bezeichnet, nicht aber die anderen? ... Sind die betreffenden Personen vielleicht heiliger, frömmer oder eifriger als jene, deren Heilung nie von der Kirche anerkannt wurde?“
Keineswegs! Sie werden sehen, dass das Leben vieler Personen verwandelt wurde. Nicht jedoch bei allen, denn jeder bleibt stets der göttlichen Gnade gegenüber frei... Woran liegt es dann?
Man muss sich klar machen, dass die durch ein Wunder geheilten Personen – mit Hilfe der Vorsehung (und nicht des Glücks) – sich vor der offiziellen Anerkennung einer eingehenden Prüfung unterziehen mussten, die zugegebenermaßen ein wahrer Hindernislauf ist.
Die Kirche hat die Suche nach Wunderbarem nie gefördert, sondern hat es vorgezogen, den Glauben auf der Offenbarung und dem Dogma aufzubauen. Natürlich sind die Wunder ein fester Bestandteil des Glaubens an Jesus Christus, aber heutige Wunder sind kein Glaubensinhalt (das heißt, man ist nicht verpflichtet, daran zu glauben...): Sie sind ungeschuldete Geschenke Gottes für uns heute, die sorgfältig und vernünftig geprüft werden müssen, damit man nicht in einen illusorischen und gefährlichen Gefühlsglauben fällt. Daher sind eine Reihe von Kriterien aufgestellt worden, mit denen Heilungen beurteilt werden können, die dann als Wunder anerkannt werden.
Freilich beginnt alles mit der Aussage derjenigen, die sich für geheilt halten: Diese Aussage ist entscheidend. Wenn jemand meint, dass er eine Heilungsgnade empfangen hat, die er der Fürbitte Unserer Lieben Frau von Lourdes verdankt und diesem Ereignis eine geistliche Bedeutung beimisst, kann er das bezeugen, insbesondere indem er den Schritt tut, sich freiwillig im Medizinischen Büro zu melden.
Dann kommt der unerlässliche medizinische Teil, dann die kanonischen Kriterien, die von der Kirche festgelegt werden, damit beurteilt werden kann, ob es sich bei einer Heilung um ein Wunder handelt : Dieser Übergang von einem medizinisch festgestellten schweren Leidenszustand zu einem Zustand vollkommener und dauerhafter Gesundheit muss unvermittelt und unerklärlich eintreten. Eine Heilung wird zum Wunder, wenn sie völlig aus den gewohnten Gesetzen eines Krankheitsverlaufes ausbricht und unter außergewöhnlichen und unvorhersehbaren Bedingungen eintritt.
Am Schluss liegt die endgültige Entscheidung beim Bischof der Diözese, in der die Geheilten wohnen.
Sie sehen also, dass es nicht ganz einfach ist, eine Heilung in Lourdes als Wunder anerkennen zu lassen! Es handelt sich vor allem um eine Frage des Verfahrens, das erfolgreich abgeschlossen wird oder nicht. Manche Heilungen werden anerkannt, aber nicht unbedingt die schönsten und ausdrucksstärksten.
Ich möchte betonen, dass letzten Endes alle wahren Heilungen ihren Wert haben. Manche sind anerkannt worden: umso besser. Das Entscheidende ist, dass es einige anerkannte Heilungen gibt. Denn schlussendlich sind diese Heilungen, die als Wunder anerkannt werden, Kostproben, Muster, Urbilder für alle anderen, die nicht als Wunder anerkannt werden! Um es theologisch auszudrücken: Sie sind Zeichen zu unserer Erbauung.
Deshalb ist es gut, sie sich in Erinnerung zu rufen.
Dr. Patrick Theillier, ständiger Arzt im Wallfahrtsbezirk


Die 67 Wunderheilungen von Lourdes: Statistik
- Wunder und Heilungen: Von den etwa 7000 Fällen, die bis heute im Medizinischen Büro aufgenommen wurden, sind 67 Fälle durch die Kirche als Wunder anerkannt worden.
- Ein eindeutiges Überwiegen der Frauen: 80% der durch ein Wunder geheilten Personen sind Frauen.
- Das Alter: Die beiden Jüngsten waren 2 Jahre und 3 Jahre/10 Monate alt. Der Älteste Geheilte war 64 Jahre alt.
- Das Herkunftsland: Von den 67 durch ein Wunder geheilten Personen sind 55 Franzosen, 6 Italiener, 3 Belgier, 1 Deutsche, 1 Österreicherin und 1 Schweizer.
- Der gesellschaftliche Ursprung: Sehr unterschiedlich. Arbeiter, einfache Leute, Landwirte, Bürger, Soldat (1), Diözesanpriester (1), Ordensmänner (2), Ordensfrauen (8).
- Die Krankheiten: Tuberkulose, da diese Krankheit bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr verbreitet war; alle bekannten Infektionskrankheiten, auch seltene Krankheiten, wurden auf wunderbare Weise geheilt, außer genetischen Krankheiten. Bemerkenswert sind 4 Heilungen von Multipler Sklerose in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
- Der Ort der Heilung: Sechs Personen sagen, dass sie durch die Fürbitte Unserer Lieben Frau von Lourdes geheilt wurden, ohne nach Lourdes gekommen zu sein.
- Die Umstände der Heilung: Das häufigste offenkundige Mittel ist der Gebrauch von Wasser aus der Quelle (48 von 66 Heilungen), entweder durch Auftragen (8 Fälle) oder durch Trinken (2 Fälle) oder durch Baden (38 Fälle). Es sind auch Heilungen während der Segnung mit dem Allerheiligsten festgestellt worden (8 Fälle), nach der Kommunion (3 Fälle), nach einem einzelnen Gebet (3 Fälle), beim Sakrament der Krankensalbung (3 typische Fälle: Louise Jamain, Serge Perrin und Jean-Pierre Bély). In 6 Fällen kann kein besonderes Mittel angegeben werden, weil die Heilung am Ende oder infolge einer Wallfahrt eintrat, bei der all diese Gelegenheiten angeboten worden waren.
Was ist ein Wunder?
Das Wort Wunder ist so oft unüberlegt gebraucht worden, dass es darüber manchmal seinen wirklichen Sinn verloren hat. Das ursprüngliche Wort ist das lateinische miraculum, dessen Wurzel das Verb „miror“, sich wundern ist. Auch wenn Gott unsichtbar bleibt, offenbart Er sich doch in der Geschichte der Menschen durch wunderbare Ereignisse. Und das Heilungswunder ist eines jener Zeichen Gottes für den Menschen.
Das Wunder in der Geschichte der Kirche
Auf diesem Gebiet hat die Kirche immer äußerst zurückhaltend reagiert. Die Gründe dieser Haltung sind leicht zu verstehen. Zunächst die ständige Gefahr eines Betrugs. Außerdem fürchtet die Kirche das Abrutschen ins Sensationelle, das mehr der Neugierde als der Verinnerlichung dient. Der Begriff des Wunders wurde im Lauf des Mittelalters vor allem dank Thomas von Aquin geklärt, doch die Kriterien zur Beurteilung verdanken wir Kardinal Prospero Lambertini. Die Kirche verwendet diese Kriterien seit dem 18. Jahrhundert.
Der Hirtenbrief von Bischof Laurence
Der Hirtenbrief von Bischof Laurence ist ein Text vom 18. Januar 1862. Es handelt sich um das offizielle Dokument, das die Erscheinungen von Lourdes anerkennt. Es ist das Ergebnis einer Prüfung, die zwischen dem 28. Juli 1858 und dem 18. Januar 1862 durchgeführt wurde. Der Bischof von Tarbes wollte, dass diese Veröffentlichung auf alle Einwände gegen die Ereignisse von Lourdes antwortet, insbesondere auf die Frage der ersten Heilungen.
Der Leib von Bernadette ist unverwest: Ist das ein Wunder?
Bernadette Soubirous hat viel gelitten. Eine der Dimensionen ihrer Heiligkeit ist, dass sie ihre Krankheit mit Mut und Glauben bis zum Ende durchgetragen hat, während es nach den Erscheinungen von Lourdes zahlreiche Heilungen gab.
Sie starb am Ostermittwoch, den 16. April 1879. Noch heute sind ihr Leib und ihr Gesicht unverwest, und alle können sie in Nevers, 800 km von Lourdes entfernt, sehen. Es handelt sich nicht um eine Versteinerung. Sie wurde nicht einbalsamiert und nicht mumifiziert. Kann dieses außerordentliche biologische Phänomen als Wunder bezeichnet werden? Die Kirche hält diese Art von Phänomenen nicht für ein Wunder, auch wenn jeder ein Zeichen darin sehen kann.

 
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